Zweitältester Ortsverband in Sachsen

Erste Funkaktivitäten aus Annaberg werden bereits 1925 gemeldet. In der Rufzeichenliste der Deutschen Amateurfunksender finden wir unter KQ3 die Radiovereinigung Obererzgebirge, die sich damals in der Gewerbeschule in der Großen Kirchgasse in Annaberg befand.Das K steht für Deutschland - Q3 für das Obere Erzgebirge. Die Station arbeitete mit einer T-Antenne von 50 m Länge und einer und einer L-Antenne mit 40 m Länge. Sie besaßen infolge ihrer hohen und freien Lage einen vorzüglichen Wirkungsgrad. Die Wellenlänge für Amateurfunk musste damals unter 120 m liegen, die Leistung des Senders durfte höchstens 800 W betragen.

1953 wurde im Rahmen der vormilitärischen Ausbildung der GST auch eine Funkausbildung durchgeführt. Eine eigenständige Grundorganisation entstand. Später wurde diese einer größeren GO  des VEB Elektroinstallation Annaberg angeschlossen. Die Funkausbildung

(nach Vorgaben) war die Pflicht- Amateurfunk mit strengen Auflagen die Kür. Der QSO-Inhalt musste mitgeschrieben werden. Eine Klubstation des VEB Elektroinstallation Annaberg mit dem Rufzeichen DM3KNN nahm die Arbeit auf. Ab dem 20.11.1960 wurde das Callsign DM3NN für die Klubstation der EIA eingeführt. Der Sender war ein Röhrensender mit PA - der Empfänger ein AQST mit Frequenzeinschüben. Mit einer Windomantenne von 41,6 m Länge gelangen vor allem Europa-Verbindungen, einige auch nach Übersee.

In den 80iger Jahren wurden die Y-Kennzeichen vergeben: OM Karl-Heinz hatte Y41YN, Jürgen Y41XN.

QSL-Karte von der Klubstation WEB Elastikmieder Zeulenroda

Der DDR-Radio-Klub wurde nach der Wende in den DARC überführt. Wiederum gab es

eine Änderung der Callsigns. Der jetzige S48 hatte stets ca. 40 Mitglieder und nahm an zahlreichen Funkativitäten teil. Eine wichtige Errungenschaft ist das Relais DB0ANA auf dem Pöhlberg. Christfried leitete viele Jahre (ab 2007) eine Ausbildungsstation in der Evangelischen Mittelschule Großrückerswalde - die Antenne war auf dem Dach der Schule installiert. Christfried konnte viele Jugendliche für den Amateurfunk begeistern. Rufzeichen DN1ERZ - echt Erzgebirge.

Ich bedanke mich für die Zuarbeiten von Karl-Heinz, Peter und Gerd.

Wird fortgesetzt.

Funkgeschichte von den Anfängen bis 1963 recherchiert von Walter DG0Ew

Der Artikel wird in 4 Stufen gegliedert:

 

Die erste drahtlosen Funkverbindung im Jahr 1922 in der Nähe von Oberwiesenthal.

Die Gründung der Radiovereinigung in Annaberg im Jahr 1924.

Der Funkverein Sehma im Jahr 1926.

Nach dem Krieg, 1953 Gründung einer Grundorganisation der GST in Annaberg mit den Unterorganisationen in Sehma, Crottendorf und Bärenstein.

 

Zu Stufe 2. kann ich (DG0EW) nähere Angaben machen, da ich den Gründer, Herrn Doktor Erwin Jaeger, noch persönlich kannte. Er war unser Familienhausarzt. Mein Vater holte sich manchen Tipp für den Aufbau von Empfangsantennen.

Zu Stufe 4. kann ich ebenfalls Angaben machen, da ich dort Mitglied in Bärenstein war.

 

1. Erste drahtlose Funkverbindung im oberen Erzgebirge (1922)

 

Die erste drahtlose Funkverbindung im oberen Erzgebirge wurde im Jahr 1922 natürlich mit Eigenbautechnik gemacht. Das war ein Jahr vor der Eröffnung des ersten deutschen Rundfunksenders im Voxhaus in Berlin am 29. Oktober 1923. Am 1. März 1924 wurde in Leipzig der zweite deutsche Sender in Betrieb gesetzt.

Die Funkverbindung im Erzgebirge wurde erst in Telegrafie und dann in Telefonie zwischen dem Städtchen Gottesgab und dem Forsthaus Partum unweit dem Stadtzentrum von Oberwiesenthal aufgebaut.

Die Sendestelle in Gottesgab in 1020 Meter Höhe war in der Nähe des Marktplatzes. Gottesgab gehörte vier Jahre vorher noch zu Österreich und wurde in den neu gegründeten Staat Tschechoslowakei einverleibt.

Die zweite Sendestelle war im Forsthaus Partum. Das abgelegene Haus bekam 1919 einen Stromanschluss. Das Forsthaus in 880 Metern Höhe wurde nach 1945 von den Tschechen gesprengt. Es lag 200 Meter vom Pöhlbach und 800 Meter vom Marktplatz von Kurort Oberwiesenthal entfernt. Heute sind nur noch die zugehörigen zwei Teiche sichtbar.

Der Abstand zwischen den Stationen betrug 3 Kilometer.

Diese Funkverbindungen hatten eine sehr praktische Bedeutung.

Herr Friedrich Freiberg, 1899 in Gottesgab geboren, konnte mit dieser neuartigen technischen Einrichtung seine Braut im Forsthaus Partum bei Oberwiesenthal recht schnell erreichen.

Seine Braut und spätere Ehefrau war Bettina Waldner, die Tochter des Oberförsters Ignaz Waldner und dessen Ehefrau Betty geborene Kriegelstein.

Herr Freiberg, der im Ersten Weltkrieg mit den Tiroler Kaiserjägern gegen die Italiener kämpfte, überstand einen Giftgasangriff mit dem Giftgas Lost (Senfgas) und wurde nach einem Lazarettaufendhalt im Jahre 1917 vom Kriegsdienst entlassen und kehrte nach Gottesgab zurück. Er interessierte sich für die aufkommende Funktechnik. Aber es gab in der neu gegründeten Tschechoslowakei zu dieser Zeit noch keinen Lehrstuhl für diese neue Technik.

Friedrich Freiberg praktizierte deshalb, um seine Kenntnisse zu vertiefen und sich in dieser neuen Technik zu vervollkommnen, längere Zeit bei der Firma Philipps in Prag Hloubetin.

Anfang 1926 beantragte und erhielt er als Techniker im oberen Erzgebirge die staatliche Konzession zur Errichtung eines Verkaufsbetriebes mit Werkstätte für Rundfunkgeräte.

Finanziell war er durch das Textilunternehmen seines Urgroßvaters Carl Friedrich Wolf in Gottesgab etwas besser gestellt. Einige Jahre führte er die Filiale in Oberwiesenthal.

Herr Freiberg war Mitglied des Stadtrates und wurde in den dreißiger Jahren stellvertretender Bürgermeister von Gottesgab.

Mit dem Volksdichter und Heimatsänger Anton Günther war er sehr befreundet.

Später entstand in Gottesgab noch ein Rundfunkgeschäft. Der Inhaber war auch ein Günther.

 

Herr Freiberg verwendete zum Senden eine Röhrentriode und zum Empfang einen Detektorempfänger. Moduliert wurde das AM-Signal mit einem Kohlemikrofon in der Antennenzuleitung. Ein Röhrengerät zum Empfang kam aus Preisgründen nicht in Frage.

 

Herr Freiberg hatte alle gesetzlichen Bestimmungen vom Jahr 1922 gekonnt umgangen, da er von der anderen Seite der Grenze Funkverkehr ausübte. Aber es hätte ihn im Jahr 1922 sowieso keiner gehört.

 

Messtischblatt von 1935 mit der 3km langen Funkstrecke zwischen Kurort Oberwiesenthal und Gottesgab

2. Die Radiovereinigung „Obererzgebirge“ in Annaberg im Jahr 1924

 

Der Vorläufer der „Klubstation“ in Annaberg KQ3M, die Radiovereinigung „Obererzgebirge“ wurde im Jahr 1924 von Herrn Dr. Erwin Jaeger gegründet. In dieser Vereinigung konnte die „Audionversuchserlaubnis“ zum Empfang von Rundfunkstationen durch Lehrgang und Prüfung erworben werden.

In Deutschland und damit auch in Annaberg war der Amateurfunkverkehr erst ab Ende des Jahres 1925 zugelassen. Die „Audionversuchserlaubnis“ für den Empfang entfiel.

 

3. Die Biografie von Dr. Erwin Jaeger

 

Dr. Erwin Jaeger wurde am 3. 12. 1870 in Köln geboren, studierte Medizin, machte den

1. Weltkrieg von Anfang bis Ende mit. Er war Stabsarzt und hatte bereits erste Kontakte mit der drahtlosen Wellentelegrafie.

Sein zweites Hobby war der Wintersport. 1906 war er Mitbegründer des Sächsischen Skiverbandes und zeitweiliger Präsident. Er brachte viele Wintersportveranstaltungen nach Oberwiesenthal und wurde 1925 Ehrenbürger der Stadt. Noch heute wird jährlich der Dr.-Jaeger-Gedenklauf veranstaltet. Eine Straße in Oberwiesenthal trägt den Namen dieses Funkpioniers.

Nach den 1. Weltkrieg betrieb er in Leipzig ein Reisebüro und war Chef des Verkehrsvereins von Sachsen.

Er hatte gute Kontakte zum „Vater des Rundfunks in Deutschland“ dem Staatssekretär und Reichsrundfunkkommissar Dr. ing. h. c. Hans Bredow in Berlin.

 

Dr. Erwin Jaeger war der Gründer des zweiten deutschen Rundfunksenders am 1. März 1924 in Leipzig.

 

Dr. Erwin Jaeger war bis 1929 Geschäftsführer des Leipziger Rundfunksenders. Danach blieb er weiterhin im Vorstand als Programmleiter. Neuer Chef wurde Professor Neubeck. Die politischen Probleme wurden 1933 immer größer. 1934 wurde gegen die Rundfunkpioniere der ersten Stunde im Reichsgericht Leipzig ein Schauprozess geführt. Professor Neubeck beging Selbstmord. Dr. Jaeger bekommt ein Jahr Haft und wurde aus Leipzig verbannt. Der Stabsarzt aus dem ersten Weltkrieg zieht nach Bärenstein und eröffnet eine Arztpraxis.

1945 verhinderte die sowjetische Besatzungsmacht Jaegers Antrag auf den Wiedereinstieg als Geschäftsführer des Mitteldeutschen Rundfunks.

Danach zieht er nach Oberwiesenthal und praktiziert bis zu seinem 84. !!! Lebensjahr als Arzt.

Im Winter kam er noch nach Hammerunterwiesenthal auf Schneeschuhen.

Am 14.09.1955 stirbt der Funkpionier Dr. Jaeger in Oberwiesenthal. Seine Urne wurde nicht auf dem Friedhof, sondern am Hang des Fichtelberges beigesetzt und ein ansprechendes Denkmal errichtet.

Von allen 3 Leipziger Sender habe ich bei Interesse Bildmaterial und technische Daten.

 

Der erste Sender von der Firma C. Lorenz A.-G. Berlin – Tempelhof hatte mit 3 Stück MSII 250 Watt HF-Leistung und war im neuen Johanneshospital mitten in Leipzig aufgestellt.

Der zweite Sender stand auf der alten Messe, nähe Völkerschlachtdenkmal. Er hatte mit 6 Stück RS15 1,5 kW später mit 8 Röhren 2,2 kW Sendeleistung.

Der 3. Sender in Leipzig-Wiederau hatte damals die größte Sendeleistung Deutschlands mit 120 kW.

Der erste und zweite Sender war im Raum Annaberg mit Detektor-Empfängern nicht zu hören.

Aber bereits ein Röhrenaudion mit guter Antenne reichte zu Kopfhörerempfang aus.

Der dritte Sender war natürlich bis zu seiner Stilllegung im Jahr 2013 mit einfachsten Detektorempfängern zu hören.

Ein Annaberger Radioamateur, Herr Karl Edelmann (Fotograf, noch bis in den sechziger Jahren auf der Buchholzer Straße in Annaberg) hat im Oktober 1926 ein Foto von einem (seinem?) Mende EZ 148 gemacht. Das 6-Röhren Gerät kostete 804,60 Reichsmark. Auf dem Foto ist seine (unbekleidete) Tochter zu sehen.

 

Originalunterschrift von Dr. Erwin Jaeger auf meinen Impfausweisen.

 

Empfangsbericht vom 3. Leipziger Sender.

Tafel am Denkmal von Dr. Erwin Jaeger am Hang des Fichtelberges.

Es ist nicht nur Stätte des Gedenkens an ihn, sondern gleichzeitig letzte Ruhestätte, den hier befindet sich auch die Urne des bekannten Funkpioniers der ersten Stunde.

Das Denkmal befindet sich unterhalb der Hotel Baude Bergkristall und unweit der Sprungschanzen von Kurort Oberwiesenthal.

Das Foto der Holztafel wurde von mir aber schon im Jahr 2006 gemacht.

Die GPS-Daten sind

N50°25´27,6´´ E012°57´44,5´´.

Im Ort gibt es eine nach ihm benannte Straße.

4. Der Funkverein in Sehma

Der Funkverein Sehma wurde im Jahr 1925 vom

Lehrkörper der örtlichen Schule gegründet.

Der Verein hatte großen Zuspruch und bildete in

der Sehmaer Schule Interessierte der Funktechnik

aus. Der aktive Verein veranstaltete auch Werbe-

ausstellungen. Hier in Cranzahl.

Der Funkverein Sehma bei einer Ausstellung in Cranzahl. Links über dem Röhrengerät die Zeitschrift „Mirag“ die Dr. Jaeger herausgab.

Der Gründer der Radiovereinigung Annaberg, Herr Dr. Erwin Jaeger, unterstützte den Funkverein Sehma. Ab dem Jahr 1929 wurde vom Geschäftsführer und späteren Programmdirektor des Senders Leipzig eine Direktübertragung der Sehmaer Christmette organisiert. Der Ehrenbürger von Oberwiesenthal war sicher auch an jedem Morgen des 1. Weihnachtsfeiertags in der Kirche zu Sehma anwesend. Zumindest hat er die technische Tonübertragung überwacht.

5. Nach dem Krieg, 1953 Gründung der Grundorganisation der GST in Annaberg mit den Unterorganisationen in Sehma, Crottendorf und Bärenstein 

 

Ab dem Jahr 1953 ging es in Annaberg mit DM3KNN wieder sehr erfolgversprechend los.

 

Hier eine QSL Karte der Annaberger Klubstation an DM2ACH, Werner Klanert in Aschersleben.

Die ersten Jahre mit Röhren RX und TX. Hier mit 0V1, eine Audionstufe mit REN904 oder AF7 (mit Schirmgitterrückkopplung) und RES164 oder AL4 in der NF-Stufe. Die 9-poligen Miniaturröhren (EF80) gab es zwar schon, aber sie waren noch viel zu teuer und kaum erhältlich.

Der CW-Sender 3-stufig mit VFO, Pufferstufe und PA mit der EL12 spez.

Einer der aktivsten OMs war zu dieser Zeit DM3VNN, Peter Müller. Er hatte das Geschäft Spielzeug-Müller auf der Buchholzer Straße. Der Verfasser (DG0EW) hat später dieses Rufzeichen (DM3VNN) zugeteilt bekommen.

DM3UNN, Joachim Härich aus Annaberg.

DM3SNN, Wilfried Lang aus Bärenstein.

Bekannt und technisch sehr versiert war DM3NN, Klaus Matzdorff.

Es gab noch weitere OMs speziell im Umkreis von Klaus Matzdorff aus der EOS in Annaberg, die dem Verfasser aber nicht persönlich bekannt waren.

Der Doppelsuper von DM3NN. Ansicht von oben.

1= HF-Vorstufe mit EF85 8= Endröhre 6V6

2=Erster Oszillator mit 6AC7 9=Gleichrichterröhre RGN 1064

3=Erste Mischstufe mit 6AC7 10=Netztrafo N 102 U

4=Zweiter Oszillator und zweiter Mischer mit ECC81 11=Ausgangsübertrager

5=Zwei ZF-Stufen mit 2x 6SK7 12=Stabilisator STV 150/402

6=S-Meter Röhre mit 6SN7 13=Drehko

7=Demodulator/AVC/1.NF-Stufe mit 6SQ7 14=Betriebsartenschalter

Der Doppelsuper von DM3NN. Ansicht von unten. Rechts der Spulenrevolver der Firma Görler für die Bandumschaltung.

 

Nach dem Jahr 1963 wurde der politische Druck seitens des Bezirksvorstandes der GST immer größer und die vormilitärische Ausbildung vorrangetrieben. Alle oben genannten Funkamateure verließen die Klubstadion. Eine erfolgreiche und kreative Zeit bei DM3NN ging zu Ende.

1V1 vom Verfasser 1963 gebaut mit EF85 (HF-Stufe), EF80 (Audion), EAA91 (Regelung), EF80 (NF). 

2m-Konverter vom Verfasser 1964 gebaut mit Spanngitterröhre ECC88 und dielektrischer Abstimmung.

 

In Sehma im VEB Garnveredlungswerk, heute Firma Unger Kabel-Konfektionstechnik GmbH & Co. KG, wurde im Jahr 1953 an die alte Funktradition angeknüpft und ein Funkzirkel gegründet.

Hier das DM Diplom mit der Nummer 0327-N.

Die damalige Kameradin aus Sehma hat die Bedingungen zur Prüfung für Funkempfangsamateure erfüllt und ist berechtigt mit seiner selbsterrichteten Kurzwellenempfangsanlage am Amateurfunkverkehr teilzunehmen.

 

Amateurfunkaktivitäten in Bärenstein

Der Funkraum mit Ausbildungsstätte befand sich in der alten Turnhalle, links an der

Auffahrt zum Berg Bärenstein. DM3SNN leitete den Amateurfunkzirkel

Der Verfasser (DG0EW) war Mitglied der dortigen Funkgruppe.

Das soll nur ein kleiner Auszug aus den Funkaktivitäten bis zum Jahr 1963 sein. Der Verfasser hat speziell zum Funkpionier Dr. Jaeger von 1924 bis 1934 weitere technische und auch persönliche Unterlagen und Bilder.

Vy 73  Walter, DG0EW

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